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Christa: Bei meinem Besuch im Nationalpark habe ich, beim Wandern im Wald, einen Mann getroffen, der als Ranger für die Nationalparkverwaltung arbeitet. Er hat mir erzählt, warum er diese Arbeit liebt, und warum er zu Bäumen ein besonderes Verhältnis hat. Und wie weit das bei ihm zurückreicht. Aber lest selbst!
Herr Beu: Ich habe seit ich 14 bin in der Forstwirtschaft gearbeitet. Damals hat man im Wald, in Bäumen eigentlich vor allem nachwachsende Rohstoffe gesehen. Seit 2000 bin ich nun Ranger hier im Nationalpark. Dadurch haben für mich Bäume eine ganz andere Bedeutung bekommen. Hier muss der Baum nicht glatt und gerade sein. Hier darf er Baum sein. Hier darf er schon auf Brusthöhe Äste austreiben.
Christa: Ich kann mir das gar nicht vorstellen: wie kommt man als Vierzehnjähriger zu so einem "Baum-Job"?
Herr Beu:
Naja, einmal hatten wir zu Hause nicht viel Geld. Ich sollte also einen Beruf erlernen,
damit Geld in die Kasse kam. Aber es war auch mein Berufswunsch. Schon mein Großvater
hatte ja im Forst gearbeitet. Er war Pferdemeister und hat sich um die Tiere gekümmert.
Damals gab es ja noch keine Traktoren, und alles wurde im Wald mit den Pferden gemacht.
Oder eben per Hand, mit Axt und Säge. Das war eine sehr schwere Arbeit.
Später habe ich mich dann weitergebildet, zum Geprüften Natur- und Landschaftspfleger.
Und dann habe ich Arbeit als Ranger bekommen. Damals im Wirtschaftswald, da hat man die
Bäume angesehen, ob die hiebreif sind, und dann kamen die eben weg. Die Fläche war ja
schon für eine neue Kultur vorgesehen. Da wurde gar keine Rücksicht genommen auf brütende
Vögel. Das ist heute alles gar nicht mehr denkbar.
Christa: Was denken Sie, welche Bedeutung haben die Bäume, hat der Wald für uns Menschen?
Herr Beu:
Wald ist ja individuell. Wald ist nicht gleich Wald. Baum ist ja auch nicht gleich Baum.
Schon ob ich von Süden, Osten oder Westen hereinkomme in den Wald, macht einen Unterschied.
Das sieht man an der Bemoosung der Bäume, am Flechtenbewuchs. Auch an der Laubfärbung. Und
in jeder Region ist der Wald verschieden, mit unterschiedlichen Pflanzen und Tieren, die
dort heimisch sind.
Der Wald bedeutet für mich auch Geborgenheit. Und wenn man geborgen ist, dann fühlt man sich
wohl. Und wenn man sich wohlfühlt, dann ist man gesund. Man nimmt dann alles in sich auf.
Man geht eine Symbiose mit dem Wald ein.
Für mich ist jeder einzelne Baum faszinierend. In seiner Bedeutung, die ihm der Mensch beimisst. Man sucht sich den Baum ja aus, unter den man sich setzt. Das hier zum Beispiel ist mein ganz besonderer Baum.
Christa: Was macht diesen Baum für Sie so besonders?
Herr Beu: Erst einmal war ich beeindruckt von seiner Größe. Mindestens viermal im Jahr gehe ich hierher. Zu jeder Jahreszeit einmal. Ja, ist der nicht enorm?
Christa: Riesig!
Herr Beu:
Wir haben mal ausgemessen: Das sind etwa 40 Meter im Kronendurchmesser. Man könnte hier auf
dieser Fläche ein Eigenheim bauen und hätte auch noch Garten rundherum.
Hier an dieser Ecke, das ist mein Lieblingsplatz. Da setze ich mich hin, und da gehen mir immer
so Gedanken durch den Kopf. Wie alt ist der Baum? Geschätzt wird er heute schon auf so etwa
200 bis 250 Jahre. Aber was war hier vor 250 Jahren im Wald? Damals wurde ja noch Waldweide
betrieben, d.h. die jungen Buchen dienten als Futter für die Tiere.
Wenn man sich überlegt, wieviele Tiere der Baum schon ernährt hat. Und dann, 1872 da gab es eine große Sturmflut. Da stand der Baum schon. die hat er miterlebt. Das Salzwasser im Grundwasser, das hat er überstanden.
Christa: So habe ich über meinen Baum noch nicht nachgedacht. Ich wüßte auch gar nicht, wie alt der ist. Mein Baum, der steht allein, an einem Teich. Und da sind ja auch Felder ringsherum, wo gedüngt wird. Und dann die Stürme, die hat er ja auch überstanden.
Herr Beu: Wenn man an so einem Baum sitzt, dann schließt man die Augen und denkt über alles Mögliche nach. Aber immer geht am Ende des Tunnels ein Licht auf. Das ist meine Überzeugung. Man fühlt sich innerlich frei. Eine Last ist einem genommen. Wenn man daran glaubt, sich damit identifiziert. Klar, die Probleme des Alltags löst der Baum nicht. Aber man kann hier in sich gehen.
Gemäß der Definition von IUCN sind Nationalparks natürliche Gebiete [...], die vorgesehen sind, um die Unversehrtheit [von Ökosystemen] zu schützen und [...] zu erhalten, [...] um eine Basis zur Spiritualität, Forschung, Schulung, Erholung und Besichtigung zur Verfügung zu stellen, die ökologisch und kulturell vereinbar ist.