Trage hier bitte ein, wie wir dich ansprechen sollen:
 
© Thomas Pätzold 2007 © Thomas Pätzold 2007 © Thomas Pätzold 2007 © Thomas Pätzold 2007

.

von:Felix
an:
Betreff:Gefährdete Alleen
Sicher gibt es auch in deiner Nähe eine schöne Allee, durch die du oft gefahren bist. Vielleicht ist auch diese Allee gefährdet. Weißt du, wen du danach befragen könntest? Erstelle eine Liste von Personen, die dir über „deine“ Allee Auskunft geben könnten!

Gespräch mit Herrn Wolf-Peter Polzin
Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Bad Doberan

Felix: Herr Polzin, stimmt es, dass die alte Lindenallee in Bad Doberan gefährdet ist?

Herr Polzin: Gefährdet sind eigentlich nahezu alle Alleen bei uns. Einfach weil zwischen den Baumreihen Autos fahren, die Abgase produzieren, aber auch LKWs, die immer wieder an die Äste schrammen.

Die Allee konkret, nach der du hier fragst, steht vom Straßenrand relativ weit weg. Durch die LKW’s ist sie deshalb nicht so sehr gefährdet. Aber die Allee ist ziemlich alt, über 150 Jahre.
Hinzu kommt, daß irgendwann zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, also etwa 1910 oder 1920, die Kronen der Bäume abgenommen wurden. Man kann noch heute in etwa vier, fünf Metern Höhe die Verwachsungen erkennen, auf denen sich dann die Äste aufbauen. An diesen Stellen sind richtig große Löcher entstanden, an denen die Bäume nun faulen. 1999 sind deshalb an einem Tag allein fünf Bäume umgestürzt, und im darauf folgenden Jahr noch mal zwei.

 

Dabei haben wir festgestellt, daß die Bäume im Wurzelbereich von Pilzen angefressen waren. Und zwar von einem sehr aggressiven Pilz, dem Brandkrustenpilz. Das hat dazu geführt, daß die Wurzeln fast völlig morsch sind. Die sahen aus wie ein Spargel, den man umdreht – die ganzen Haltewurzeln waren weg! Und das war für uns damals ein Alarmsignal, weil wir uns natürlich gefragt haben, wie dann die anderen Bäume aussehen mögen, die an der Allee noch stehen.

Inzwischen wurde auch der Straßenbelag in dieser Allee erneuert. Dabei haben wir festgestellt, daß auch bei den anderen Bäumen keine Wurzeln mehr vorhanden sind. Deshalb müssen wir wohl mit dem Schlimmsten rechnen. Wenn der Pilz erst einmal in den Bäumen drin ist, dann kriegt ihn keiner mehr raus. Weder mit chemischen oder physikalischen Mitteln. Man kann nur versuchen, die Umgebungsbedingungen der Bäume zu verbessern. Vielleicht werden die Bäume noch fünfzig Jahre stehen. Aber dann haben wir schon eine Menge gewonnen.

 

Gegenwärtig versucht man so etwas zu finanzieren über einen Alleenfonds, eine Art Geldtopf, in dem für jeden gefällten Alleebaum Geld eingezahlt wird, und aus dem dann neue Pflanzungen finanziert werden können.

Felix: Läßt man dann die Bäume einfach stehen, bis sie von alleine umstürzen? Oder werden sie irgendwann abgeholzt? Und pflanzt man dann wieder neue Bäume an dieser Straße?

Polzin: Also Abholzen hat eigentlich niemand vor. Selbst wenn jetzt noch vierzig, fünfzig Bäume umfallen würden. Es stehen ja noch knapp 600 Bäume da. Erst wenn weit mehr als die Hälfte weg ist, sollte man über so etwas nachdenken.

Es werden dann irgendwann Lücken in der Allee entstehen. Aber wie man das in fünfzig Jahren sieht, weiß heute natürlich keiner. Wenn man hier wieder eine neue Allee hinpflanzen würde, dann bräuchte man ca. 800 neue Bäume. Das kostet eine enorme Summe an Geld.

Auch versucht man zu verhindern, daß gegen die Bäume gefahren wird. An vielen Alleen stehen inzwischen Leitplanken. Das schützt auf der einen Seite die Autofahrer, auf der anderen Seite aber eben auch die Bäume.

 

Andererseits sehen die Leitplanken, wenn man das Bild schöner Alleen vor Augen hat, immer doof aus. Wenn man die Alleen erhalten will, in dem man Leitplanken davor pflanzt, oder in dem man die Bäume weiter von der Straße weg pflanzt, dann ist dieses Bild natürlich irgendwann Geschichte.

Neue Alleen nachzupflanzen, ist auch ziemlich schwierig. Oft muß dafür Land angekauft werden, und dazu sind die Eigentümer nicht immer bereit. Außerdem kostet das zusätzlich Geld.

Und wenn einzelne Bäume wegen Krankheiten gefällt werden, dann kann man dort zwar theoretisch junge Bäume nachpflanzen. Aber die haben dann ja ein anderes Alter, und das Bild einer geschlossenen Allee von in etwa gleich alten Bäumen geht dabei natürlich verloren.

Außerdem werden beim Neuanlegen von Alleen die Bäume heute in mehreren Metern Entfernung von der Straße gepflanzt. Da kommt meist kein geschlossenes Blätterdach mehr zustande. Das empfindet man dann gar nicht mehr als eine richtige Allee.

Eigentlich müßte man das Konzept, wie Straßen genutzt werden sollen, wieviel sie befahren werden, und vor allem, wie schnell man dort fahren kann, neu überdacht werden.

 

Im "Alleenfonds" werden Gelder für Ausgleichsmaß-
nahmen, für Schutz- und Pflegemaßnahmen als auch für Neuanpflanzungen zusammengefaßt. Wenn Alleebäume, gefällt werden müssen, wird ein Wertausgleich in den Fonds eingezahlt. Damit können dann neue Alleen angepflanzt werden. So wurden seit 1994 doppelt so viele Alleebäume gepflanzt wie gefällt. 

BUND-Logo NUE-Logo BINGO-Logo